Tischlermeister Rainer Jansen

… ein Tischlermeister und seine Tochter

Einige von euch werden sicher schon mal von mir den Ausspruch gehört haben: „Ich wollte mich schon immer selbstständig machen“. Aber wieso wollte ich das eigentlich? Um euch das zu erklären, müssen wir etwas in die Familiengeschichte der Jansens eintauchen. Was mich inspiriert hat, wer mich unterstützt hat und was das Erfolgsgeheimnis der Bude ist, möchte ich euch heute erzählen.

Das Klischee sagt, „selbstständig“ steht für „selbst und ständig“. Und so kam es mir auch vor bei meinem Vater: In einer kleinen Tischlerei mit einem Gesellen und ab und an einem Lehrling ist es nicht immer einfach. Als Chef muss man sich oft, um nicht zu sagen ständig, um alles selbst kümmern. Ich erinnere mich noch gut, wie es war, wenn mein Vater abends nach Hause kam: meistens verschwand er erst nochmal im Büro. Der Papierkram musste erledigt werden, den man im Werkstattalltag nicht geschafft hatte. Manchmal riefen sogar Kunden am Wochenende an. Nur im Urlaub konnte er auch mal komplett abschalten. 

Oft genug habe ich mich also gefragt: warum möchtest du überhaupt selbstständig sein? Ich habe schließlich über Jahre beobachten können, wie viel Arbeit das mit sich bringt. Doch mein Vater hatte sich ja nicht ohne Grund zu diesem Schritt entschieden und führt die Tischlerei Jansen nun schon seit 25 erfolgreichen Jahren. Als ich also selbst anfing, ins Arbeitsleben einzutauchen, erlebte ich diesen Grund am eigenen Leib. Irgendwie ist man nicht so frei in dem, was man tut. Man kann sich noch so anstrengen und ist vielleicht auch mal viel besser und engagierter als seine Kollegen*innen und trotzdem wird es nicht honoriert (zumindest nicht überall). So viele Ideen zur Verbesserung schwirren einem durch den Kopf. Und manches möchte man einfach auch mal ausprobieren. Aber leider ist es nicht die eigene Entscheidung, ob etwas Neues umgesetzt wird, sondern die des Chefs.

Die Entscheidung zur Selbstständigkeit

Und an dieser Stelle hatte ich einen entscheidenden Vorteil zu anderen Angestellten, die vielleicht ähnlich fühlen. Mein Vater hatte mir schon vor Jahren eine Alternative gezeigt: die Freiheit der Selbstständigkeit. Auch wenn es für mich unvorstellbar ist, gibt es wohl Menschen, die noch nie dadrüber nachgedacht haben. Aus deren Sicht mag mein Wunsch nach selbstbestimmtem Arbeiten genauso befremdlich erscheinen, wie mir die Vorstellung, diesen Gedanken nie entwickelt zu haben. Dank meines Vaters war die Überlegung, mein eigener Chef zu sein, niemals fern.

Und nicht nur das: als Tochter einer Familie, die von einem kleinen Betrieb lebt, war mir und auch meinen Eltern und meiner Schwester klar, dass das Erfolgsgeheimnis eines solchen Betriebes unter anderem bedeutet: alle packen mit an. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass meine Familie mich so unterstützt hat, als ich MEIN Projekt gefunden habe.

Mir wurde schon oft gesagt, dass es sehr mutig von mir war, mich selbstständig zu machen. Das sehe ich nicht so. Als es soweit war, hatte ich in keinem Moment Angst. Mutig zu sein bedeutet für mich, seine Angst zu überwinden. Ich jedoch hatte allen Grund zuversichtlich zu sein, denn meine Familie stand hinter mir. Auch zwei Jahre nachdem das Riesenprojekt gestartet ist, fühlt sich die Selbstständigkeit nicht nach „selbst und ständig“ an. Schließlich hilft mein Vater mir bei der Buchhaltung und sorgt mit Plexiglasscheiben in der Bude für mehr Sicherheit in Corona-Zeiten. Meine Mutter sitzt selbst oft genug am Tresen und wenn nicht, macht sie im Hintergrund alles, was ich nicht schaffe. Meine Schwester und mein Schwager unterstützen die Bude in kleinen Design-Fragen und mein Mann springt regelmäßig in der Küche ein, wenn mir sonst alles über den Kopf wachsen würde. Ich wünsche jedem, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, diese Unterstützung und Zuversicht auf seinem Weg.

Zum Schluss möchte ich euch noch zwei Bilder dalassen: mein Vater, als Chef seiner Tischlerei und ich, durch Zufall genau an der gleichen Stelle fotografiert, als Chefin der CoWorkBude. Vielleicht gibt es ja irgendwann, wenn die Bude nicht mehr ist, eine*n Nachfolger*in, welche*r das „FamilienBusiness“ mit eigenen Ideen weiterführt 😉

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