Kater in da house

Bis man in der Selbstständigkeit so richtig auf Kurs ist, dauert es eine Weile. Man stolpert ständig über kleine Missgeschicke und Fehleinschätzungen. Und das kann Nerven kosten. Wir arbeiten seit der Eröffnung unserer Bude vor einem Jahr an der Optimierung der Abläufe, damit es nicht nur für uns passt. Es muss für alle passen.

Die meisten BudenBesucher haben unsere weiß-plüschige Mischlingshündin Coco schon kennengelernt. Und wenn Kater Lio gut drauf ist, dann erscheint auch er keck auf der Bühne, dem Empfangstresen, und sucht sich einen Menschen aus, der ihm ein bisschen das Fell krault.

Aber das war nicht immer so. Lio war sehr scheu, als wir die Bude eröffneten. Für ihn bedeutete es Stress, wenn er mit Fremden in Kontakt treten musste. Außerdem hasste er Autofahren und den unfreiwilligen Kontakt mit der Außenwelt. Für uns war es daher keine Frage: das Katerchen musste tagsüber zu Hause auf seine Menschen warten. Ein Kater im Büro? So was gibt es doch nicht. Das macht man nicht. Ist doch unprofessionell, oder? Und Katzen schlafen sowieso den ganzen Tag. Und dann sind sie mit sich selbst zufrieden. Dachten wir. Lio saß abends auf dem Fensterbrett und erwartete seine FutternapfBefüller. Er war dann zwar anhänglich, aber er schien zufrieden. Es schien, als ob unser neuer Lebensrhythmus für ihn irgendwie passte. Wir konzentrierten uns auf den angestrebten Erfolg.

Aber dann wurde er im letzten Frühjahr krank. Sein Bauch und die Innenseite seiner Beine waren mit einem Mal nackt. Und irgendwie war er auch so leicht geworden. Es gab zu viel Haut für zu wenig Kater. Er hatte sich in seiner Einsamkeit das Fell so sehr geleckt, dass es ausgegangen war. Und genug gefressen hatte er über die vergangenen Wochen auch nicht mehr. Auweia! Und nun? Es herrschte Katerstimmung in der Bude. Aber richtig! Wir hatten schon genug schlaflose Nächte, weil nicht immer alles so lief, wie wir erhofft hatten. Und nun zeigte uns Lio, dass wir dabei ihm gegenüber unachtsam gewesen waren. Wir mussten also eine Entscheidung treffen.

Unser Bauchgefühl sagte uns, dass es in dem Moment richtig ist, den unpässlichen Lio bei uns zu haben. Wir nahmen ihn also doch mit zur Arbeit. Er jammerte 3 Tage lang jeden Tag in seiner TransportBox auf dem Weg in die Bude, verkroch sich unter dem BudenSofa, und kam den ganzen Tag nicht hervor. Wir hatten diesen Zustand zunächst als Übergang geplant. Lio erholte sich körperlich und nahm langsam wieder zu. Und dann war irgendwann kein Maunzen mehr auf der morgendlichen Fahrt zu hören, und plötzlich lag er auch mal auf dem Sofa, statt drunter. Aus sicherer Entfernung beäugte er ankommende Bewunderer und duldete sogar vorsichtige Kontaktaufnahmen. Coco passte derweil auf Lio auf, schaute misstrauisch, wenn ihm jemand zu nahe kam. Aber Lio begann Gefallen daran zu finden, dass man ihm huldigte. Sein Fell an Bauch und Beinen wuchs wieder.

Wir haben festgestellt, dass viele Menschen, die hier reinkommen, Lio und Coco lieben. Wir brauchen gar nicht auf sie zu verzichten. Sie gehören zu uns. Wir gestalten unser Arbeitsumfeld so, dass es für alle passt, dass wir möglichst alles im Blick haben. Unser Learning lautet, dass unsere Arbeit nicht auf Kosten der uns anvertrauten Lebewesen gehen darf. Wir haben einen kreativen Weg gefunden. Und seitdem heißt es zur Freude unserer CoWorker: Kater in da house.

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